Unter den zahlreichen auf dem Markt erhältlichen Gerbverfahren zeichnet sich die pflanzliche Gerbung dadurch aus, dass sie die traditionellste, natürlichste und umweltfreundlichste von allen ist. Sie wird als „pflanzlich“ bezeichnet, da die bei der Gerbung verwendeten Rohstoffe (die sogenannten Gerbstoffe) Tannine sind – natürliche Substanzen, die von Bäumen produziert werden und der Pflanze zum Schutz vor dem Befall durch fremde Bakterien dienen. Diese Tannine werden aus verschiedenen Pflanzenteilen gewonnen, darunter Holz, Rinde, Schoten, Früchte und Blätter. Die am häufigsten verwendeten Tannine stammen aus Kastanien- und Quebracho-Holz, aus Tara-Schoten sowie aus der Rinde von Mimosen und Akazien.
Die pflanzliche Gerbung von Häuten hat eine sehr lange Geschichte, die sogar bis in die Vorgeschichte zurückreicht: Die Verarbeitung von Häuten war nämlich jahrtausendelang eine Notwendigkeit, da es sich um einen schwer zu entsorgenden Abfallprodukt der Fleischverarbeitung handelte.
Und so erkannte der Mensch irgendwann, dass es notwendig war, das Leder in eine lösliche Lösung (auf Tanninbasis) einzutauchen, um den Verfall des Leders aufzuhalten und es leicht verarbeitbar zu machen, wodurch sich das Tierleder in Leder verwandelte.
In der Antike umfasste das Gerben das feine Zerkleinern von Rinden, die anschließend in einer Grube unter Zugabe von Wasser auf die Häute einwirken konnten; das Wasser löste die Tannine auf und ermöglichte so deren Aufnahme durch die Häute.
Heute besteht die traditionelle Gerbmethode für die pflanzliche Lederverarbeitung in der sogenannten langsamen Bottichgerbung, einem langwierigen und aufwendigen Verfahren, bei dem die Häute in große Bottiche getaucht werden und dessen Abschluss etwa drei Monate dauert. Dank neuer Technologien und im Laufe der Jahre erprobter Techniken hat sich eine zweite Verarbeitungsmethode durchgesetzt: Es handelt sich um die Schnellgerbung im Fass, die dank rotierender Trommeln kürzere Verarbeitungszeiten als die traditionelle Küvengerbung aufweist und das Leder weicher macht, wodurch es sich besser für den Einsatz im Bereich der Lederbekleidung eignet.